Dienstag, 13. September 2016

ADHS: Neurofeedback hilft

ADHS: Neurofeedback hilft




Besserung ohne Pillen: Neurofeedback kann Kindern mit ADHS helfen, wie eine Studie bestätigt. Nach einem mehrwöchigen Training gelang es den kleinen Teilnehmern, ihre Impulsivität besser zu kontrollieren. Gleichzeitig aber zeigten sich auch messbare Veränderungen ihrer Gehirnaktivität, wie Forscher im Fachmagazin "Scientific Reports" berichten. Das belege erstmals, dass Neurofeedback nicht nur auf Verhaltensebene, sondern auch auf neurophysiologischer Ebene wirke.
Die Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung ADHS ist inzwischen die häufigste psychische Erkrankung bei Kindern und Jugendlichen. Behandelt wird die Störung meist mit Hilfe einer Kombination von Psychotherapie, pädagogischen Maßnahmen und Medikamenten wie Ritalin. Auch Sport kann zumindest subjektiv für eine Verbesserung sorgen. 

Flugzeug mit Gedanken steuern


Ebenfalls bewährt hat sich in ersten Studien ein Training mittels Neurofeedback: Die Kinder lernen dabei, durch die Konzentration ihrer Gedanken beispielsweise ein Auto oder Flugzeug auf dem Bildschirm zu steuern. Der Sinn dahinter: Durch die Verknüpfung von bestimmten Hirnstrom-Mustern mit den Computerbildern lernen die Kinder, ihr Verhalten und ihre Impulsivität besser zu kontrollieren.

"Bei Kindern mit der Diagnose AD(H)S geht es hier vor allem darum, das eigene Verhalten und die Konzentration besser selber steuern zu können", erklärt die Psychologin Annet Bluschke vom Universitätsklinikum Dresden. Sie hat gemeinsam mit Kollegen die Wirkung des Neurofeedbacks bei 19 Kindern mit ADHS untersucht. "Mittlerweile liegen die ersten Studienergebnisse vor, die belegen, dass diese Form der Therapie eine messbare Verbesserung für die Patienten bringt."


Messbare Veränderungen


Wie Bluschke und ihre Kollegen feststellten, geht die Wirkung des Neurofeedbacks dabei über die reine Verhaltensebene hinaus. Die Kinder lernten einerseits, ihre Impulse besser zu kontrollieren – indem sie beispielsweise eine Taste nicht sofort drückten. Andererseits aber zeigten sich nach dem achtwöchigen Training auch messbare Unterschiede in der Hirnaktivität der kleinen Probanden. 

Vor allem die Aktivität in einigen impulshemmenden Schaltkreisen war nach dem Training erhöht, wie die Forscher feststellten. Sie schließen daraus, dass Neurofeedback nicht nur oberflächlich wirkt, sondern tatsächlich zu einer Veränderung im Gehirn führt. Ein solches Training kann daher andere Forme der ADHS-Therapie ergänzen – und möglicherweise die Medikamentendosis der betroffenen Kinder reduzieren helfen. (Scientific Reports, 2016; doi: 10.1038/srep31178)
(Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, 13.09.2016 - NPO)

Montag, 20. Juni 2016

ADHS: Sport hilft Schon ein kurzes Training bessert Stimmung und und Motivation

ADHS: Sport hilft


Schon ein kurzes Training bessert Stimmung und und Motivation




Strampeln statt Medikamente: Schon ein kurzes Sporttraining kann ADHS-Patienten helfen, sich besser zu fühlen und Aufgaben motivierter anzugehen. Das belegt eine Pilotstudie von US-Forschern, die junge Männer mit ADHS für 20 Minuten aufs Trimmrad setzen, bevor sie Aufmerksamkeitstests absolvierten. Schon dieses kurze Training zeigte positive Effekte – die sich nach Ansicht der Forscher noch steigern lassen könnten, wenn längere und andere Sportarten mit einbezogen werden.
Rund fünf bis sechs Prozent der Kinder werden heute mit der Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung (ADHS) diagnostiziert. Ihnen fällt es schwer, sich zu konzentrieren, sie sind impulsiv und schaffen es nicht, sich und ihr Handeln zu organisieren. Als Folge leidet auch ihr Sozialverhalten. Neben Psychotherapie bekommen viele dieser Kinder und junge Erwachsenen Methylphenidat (Ritalin), doch die Langzeitfolgen und Risiken dieser Behandlung sind weiterhin unklar.

Schon 20 Minuten wirken


Jetzt könnten Patrick O'Connor und Kathryn Fritz von der University of Georgia eine simple Methode gefunden haben, um ADHS-Patienten psychologisch zu unterstützen: Bewegung. Für ihre Studie ließen sie 36 junge Männer mit ADHS entweder 20 Minuten auf einem Trimmrad fahren oder 20 Minuten ruhig dasitzen. Hinterher absolvierten alle Teilnehmer einige Aufmerksamkeits- und Geschicklichkeitstests sowie psychologische Tests.

Das Ergebnis: Zwar schnitten die Probanden nach ihrem Fahrradtraining in den Aufmerksamkeits- und Geschicklichkeitstests nicht besser ab, dafür aber hatte sich ihr psychologisches Befinden gebessert, wie die Forscher berichten. Sie fühlten sich weniger konfus, weniger erschöpft und depressiv und waren motivierter, die Aufgaben anzugehen.


Andere Sportarten könnten noch mehr bringen


Nach Ansicht der Forscher spricht dies dafür, dass junge Männer mit ADHS schon von kurzen, regelmäßigen Sporteinheiten profitieren könnten. "Bewegung ist dafür bekannt, Stress zu verringern und die Stimmung zu heben", erklärt O'Connor. "Sport hat daher auch das Potenzial, Menschen zu helfen, die unter ADHS-Symptomen leiden." Im Gegensatz zu Medikamenten habe Bewegung zudem keine Nebenwirkungen.

"Andere Arten des Sports könnten wahrscheinlich auch die kognitiven Leistungen der Betroffenen verbessern", mutmaßt Fritz. "Wir glauben, dass eine andere Trainingsart oder Dauer sogar noch größere Effekte bei ADHS-Patienten zeigen könnte als die eher langweilige Einheit auf dem Trimmrad im sterilen Labor." (Medicine & Science in Sports & Exercise, 2016; doi: 10.1249/MSS.0000000000000864)

Donnerstag, 16. April 2015

Hyperaktiv: Lernen ohne Psychopharmaka

Eine Schule fast ganz ohne Ritalin





Jedes vierte Kind an der Schule für Offenes Lernen in Liestal hat ein diagnostiziertes Aufmerksamkeitsdefizit. Die meisten kommen ohne Psychopharmaka aus, seit sie dort Schüler sind.



Die SOL befindet sich auf einem ehemaligen Fabrikgelände am südlichen Ortsrand von Liestal, zwischen dem Flüsschen Frenke und der Waldenburgerbahn. Früher wurde hier Lingerie für die Luxusmarke Hanro hergestellt. Seit vor 15 Jahren die Privatschule SOL gegründet wurde, hat sich der Fokus verschoben – von feinem Tuch auf der Haut zu inneren Werten. Bei den heute rund 80 Schülern erfüllt rund ein Viertel die gängigen Diagnosekriterien für ADHS. Bevor sie an die SOL gekommen sind, haben die meisten von ihnen Psychostimulanzien wie Ritalin genommen. Mit dem Schuleintritt sind sie ermuntert worden, das Medikament abzusetzen – was sie fast immer auch tun, oft für immer. «Das funktioniert in aller Regel sehr gut», sagt Held.
Im vergangenen Februar sorgte die Kritik des UNO-Kinderrechtsausschusses an der Schweiz für Aufmerksamkeit. Es werde hierzulande zu viel ADHS diagnostiziert und zu häufig würden Psychopharmaka verschrieben, hiess der Vorwurf. An der SOL sorgt dies für grosse Genugtuung: Endlich äussert sich eine gewichtige Institution mit klaren Worten gegen die offizielle Linie von Bund und der Mehrheit der Ärzteschaft. 
Erst letzten Herbst hatte der Bundesrat Entwarnung gegeben. Mit der Veröffentlichung eines Expertenberichts zum Thema liess er verlautbaren, dass die medizinische Betreuung von ADHS-Betroffenen in der Schweiz angemessen sei und kein Handlungsbedarf bestehe.
Unter den Lehrern an der SOL sorgt diese Aussage für Kopfschütteln. «Ritalin ist nicht grundsätzlich schlecht, doch in den allermeisten Fällen brauchen betroffene Kinder keines», ist Ruth Oechsli aufgrund der Erfahrungen an der SOL überzeugt. Die ehemalige Psychotherapeutin hat die Privatschule zusammen mit Mat­thias Held und Bernhard Bonjour vor 15 Jahren gegründet. «Ich musste feststellen, dass es keinen Sinn hat, verhaltensauffällige Kinder isoliert zu behandeln, die Schule und die Eltern müssen intensiv einbezogen werden», beschreibt sie ihre Beweggründe.
Wenn neue Kinder an der SOL die ADHS-Medikamente absetzen, sinkt ihre Schulleistung für ein paar Monate. Doch dann seien die meisten wieder mindestens so gut wie unter Medikamenten, versichert Oechsli. «Wir helfen den Kindern, Strategien zu entwickeln, wie sie mit ihrer Unruhe und der fehlenden Konzentration im Alltag umgehen können.» Etwa kurz rauszugehen, um ein Glas Wasser zu trinken, oder die Lehrperson um Unterstützung anzufragen, ohne gleich den ganzen Unterricht zu stören. «Kindern, die schon länger Ritalin nehmen, fällt dies oft besonders schwer, weil sie gar nie die Möglichkeit hatten, solche Taktiken zu entwickeln», so Oechsli. Durch Wertschätzung und das Anerkennen der Stärken eines Kindes könne in den meisten Fällen eine weitgehende Beruhigung der Situation erreicht werden.
Oechsli ist bestürzt über den Umgang gewisser Ärzte mit Psychopharmaka. Bei manchen genüge ein Telefonanruf der Eltern, dass es an der Schule nicht mehr gut laufe, und schon werde die Dosis erhöht. 
Eines der SOL-Kinder musste früher als Zehnjähriger täglich drei Psychopharmaka einnehmen, um zu funktionieren: am Morgen Ritalin, am Mittag ein Antidepressivum, am Abend ein Schlafmittel. «Seit das Kind bei uns ist, braucht es keine Medikamente mehr», so Oechsli.
Erfolgreiche «Kuschelpädagogik»
Jon, 13, mit Hipsterbrille und Kapuzenpulli; Florian, 16, im blauen T-Shirt und mit Strickjacke: Stolz führen die beiden Achtklässler durch ihre Schule. Beide haben sich an der Regelschule nicht wohlgefühlt und sind froh, an der SOL zu sein. Im ersten Stock des ehemaligen Fab­rikgebäudes befinden sich die hohen Unterrichtszimmer der Unter- und der Mittelstufe, im zweiten die der Oberstufe. Zusätzlich hat es Räume für selbstständiges Arbeiten mit Betreuung, eine Werkstatt (das «Tüftellabor» im Untergeschoss), einen Musik- und Versammlungsraum, einen Esssaal und extern eine Turnhalle. Die Klassen sind altersdurchmischt und bestehen im Durchschnitt aus zwölf Schülerinnen und Schülern. Es gibt einen Stundenplan, normale Schulfächer. 
Doch jedes Kind hat einen eigenen angepassten Wochenplan, mit Aufgaben, die es möglichst selbstständig erledigen soll. Auf diese Weise können die Schüler in ihrem eigenen Tempo und nach den eigenen Möglichkeiten lernen. Dabei werden sie nicht benotet. Stattdessen finden jedes Jahr ausgiebige Standortgespräche mit den Kindern und den Eltern zu Fortschritten, Stärken und Schwächen statt.
Das Konzept der SOL ist das, was im bildungspolitischen Schlagabtausch oft als «Kuschelpädagogik» bezeichnet wird. Dass die Gegner solcher reformpädagogischer Schulformen aus dem rechten politischen Spektrum sich gleichzeitig als hartnäckige Kritiker von Psychopharmaka für ADHS-Kinder hervortun, ist für die Lehrer an der SOL belustigend und verwirrend zugleich. 
«Ich weiss nicht, was sich diese Leute überlegen», sagt Oechsli. «Mit einer auf Disziplin und Leistung eingeengten Schule, wie sie zurzeit propagiert wird, lassen sich die Probleme verhaltensorigineller Kinder bestimmt nicht lösen, im Gegenteil.»
Offenbar funktioniert das Konzept der Schule für Offenes Lernen. Wenn die Kinder nach dem neunten Schuljahr die Schule verliessen, fänden sie ohne Mühe Anschluss in der Berufswelt oder am Gymnasium, sagt Held.
 Der Übergang klappe vergleichbar gut wie bei Kindern aus Regelschulen. Das anerkennt auch der Kanton Baselland. Er zahlt für die Schüler, die an die SOL kommen, wenn die Regelschulen mit ihnen überfordert sind. «Der Kanton hat offensichtlich gemerkt, dass sein Angebot für eine beträchtliche Zahl der Kinder nicht ausreicht», sagt Held. Bei den anderen Kindern müssen die Eltern zahlen: je nach Einkommen zwischen 0 und 2500 Franken pro Monat.
Guter Draht zu den Eltern
Vom Umfeld an der Schule im Baselbiet profitieren nicht nur ADHS-Betroffene. Dort finden sich auch «normale» Kinder, deren Eltern das Unterrichtskonzept gut finden. Und solche, die sich aus anderen Gründen nicht wohlfühlten an der Regelschule. Etwa Hochbegabte oder Kinder mit einem Asperger-Syndrom. Das alles ist mit grossem Aufwand verbunden. 
Doch gemäss Held arbeiten an der SOL nicht mehr Lehrpersonen pro Schüler als an Regelschulen. «Wir sind einfach anders organisiert», sagt Held. 
Anstelle von Klassen mit bis zu 26 Schülern und zusätzlicher Betreuung für schwierige Fälle und Begabte ermöglichen kleinere Klassen eine intensivere Betreuung für alle. «Wir wollen keine speziellen Förder- und Unterstützungslektionen für einzelne Schüler», so Held. Das sei nicht die von offizieller Seite angestrebte Integration, sondern führe im Gegenteil zu zusätzlicher Selektion.
Doch auch die Lehrer an der SOL scheitern manchmal. «Das passiert vor allem, wenn die Eltern nicht mitziehen und wir Probleme mit Gesprächen nicht überwinden können», sagt Held. 
Dann müssen die Kinder die Schule wieder verlassen. Das passiert allerdings nicht sehr häufig, denn ein guter Draht zu den Eltern ist die wichtigste Voraussetzung, damit ein Kind überhaupt an der SOL aufgenommen wird. «Wenn wir in den Vorgesprächen merken, dass wir mit den Eltern nicht zusammenarbeiten können, lehnen wir das Kind ab», so Held. Im Jahr würden nur ein bis zwei Kinder abgelehnt. Doch der Schulleiter gibt unumwunden zu: 
«Schwierige Fälle, bei denen auch das familiäre Umfeld nicht stimmt, können wir mit unserem Konzept nicht erreichen.»
Dazu auch einen Beitrag vom ZDF

Montag, 3. Februar 2014

Ruhig gestellt und angepasst

Interviews und Vorträge von Prof. Hüther, Neurobiologe






Ruhig gestellt und angepasst - Warum 500.000 Kinder mit ADHS Drogen nehmen sollen


Doku - Saarländischer Rundfunk 2011

Mein Sohn hat ADHS und "darf" auch Ritalin schlucken. Ich wollte das Zeug absetzen, weil ich mit meinem Kinde ohne Tabletten besser zurecht komme und ich das Gefühl habe ohne den Mist ist er wirklich ein Kind. 

Nach genau einer Woche ohne das Wundermittel ist die Schule Sturm gelaufen mit Androhnung einer Anzeige wegen Kindeswohl Gefärdung und das Jugendamt hat auch gleich in das Horn geblasen. Da kannst Du dich entscheiden ob keine Tabletten und Kind vom Jugendamt weggefangen und ab ins Heim oder doch Tabletten und Kind bei dir zu Hause. Wem einmal die Medikamente aufgeschwatzt worden sind, der wird sie so einfach nicht wieder los, weil in dem Moment wirst du praktisch vom Vater Staat entmündigt und man pfeifft auf dein Sorgerecht als Elternteil.

 O-Ton der Lehrerin, das Kind muß in der Schule funktionieren. Übersetzt heißt das für mich sch... drauf wie es zu Hause läuft, uns egal, hauptsache wir haben in den 6 Unterrichtstunden unsere Ruhe. 

Fragt sich, müssen die Kinder mit Medikamenten so ruhig gestellt werden das sie ins System passen oder ist es nicht Aufgabe des Systems Bedingungen zu schaffen in denen sich die Kinder ohne Betäubungsmittel entwickeln, entfalten und lernen können ????

Irgendetwas läuft hier mal mächtig verkehrt auf Kosten der Kinder, Vater Staat spart sich das Geld für passende Bildungseinrichtungen und Konzepte für diese Kinder und die Pharmaindustrie und Behandlungszentren (nicht alle) verdienen sich eine goldene Nase an dem was die Krankenkassen für die Pillen abdrücken müssen. Schönen Dank auch. Am Besten die Lehrer und so nehmen die Tabletten mal selber und bekommen den Beipackzettel (der Beipackzettel hat eigentlich die Größe eines Plakates im Vergleich zu dem von anderen Medikamenten ) mit den Nebenwirkungen erst hinterher, weil wer ihn vorher liest schluckt das Zeug wohl, ganz freiwillig, erst gar nicht.